ʿAin

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ʿAin in isolierter Form
verbundene Formen
ـع ـعـ عـ
von rechts beidseitig nach links

ʿAin (arabisch عين, auch ʿAyn) ist der 18. Buchstabe des arabischen Alphabets. Er ist aus dem phönizischen Ajin 'Ajin hervorgegangen und dadurch sowohl dem hebräischen Ajin ע, das denselben semitischen Kehllaut darstellte, als auch mit dem lateinischen O und griechischen Omikron (Όμικρον) (Ο) verwandt. Ihm ist im Arabischen wie im Hebräischen der Zahlenwert 70 zugeordnet. Der nahezu gleich aussehende 19. Buchstabe des arabischen Alphabets, Ghain (غ), unterscheidet sich nur durch einen diakritischen Punkt von ihm.

Lautwert und Umschrift[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arabisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ʿAin hat keine Entsprechung im Deutschen. Es handelt sich hierbei um einen stimmhaften pharyngalen Reibelaut (IPA: ​[⁠ʕ⁠]​), bei dem die Muskeln des Schlundes stark angespannt und aneinandergepresst werden. Das ʿAin ist das stimmhafte Pendant zum Ḥa und unterscheidet sich deutlich vom Stimmabsatz Hamza. In der DMG-Umschrift wird ʿAin als kleiner nach rechts offener Bogen (ʿ) wiedergegeben (es ist dabei nicht mit dem nach links offenen Bogen zu verwechseln, der das Hamza repräsentiert). In der nichtwissenschaftlichen Umschrift wird ʿAin oft mit einem Apostroph wiedergegeben oder bleibt unbezeichnet. In Domainnamen, Internetforen sowie bei der Benutzung von Chatprogrammen repräsentiert häufig die Ziffer „3“ das ʿAin.

Persisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anders als im Arabischen bezeichnen ʿAin und Hamza im Persischen denselben Laut, nämlich den stimmlosen glottalen Plosiv (Knacklaut) ​[⁠ʔ⁠]​, wie er auch im Deutschen vor vokalisch anlautenden Wörtern gesprochen wird. ʿAin kommt im Persischen vor allem in arabischen Lehnwörtern vor, die genau wie im Arabischen geschrieben werden. Es repräsentiert keinen originär indoiranischen Laut und ist daher mit Hamza zusammengefallen.

Ähnlich verhält es sich mit ʿAin in anderen nicht semitischen Sprachen, die sich der arabischen Schrift bedienen oder bedient haben, etwa im osmanischen Türkisch und Urdu.

Türkisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anders als im Arabischen entsteht der Laut im osmanischen Türkisch nicht durch Pressen der Kehle, sondern ist ein einfacher Stimmabsatz. Die Transliteration der İslâm Ansiklopedisi von 1940 ist dieselbe wie die DMG-Transliteration von 1935 (ʿ).

Urdu[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Urdu wird ʿAin nur am Wortanfang als Stimmabsatz ausgesprochen, und sonst überhaupt nicht. Nach kurzen Vokalen bewirkt es jedoch eine Veränderung dieser Vokale in lange, und zwar: a + ʿAin = langes ā, i + ʿAin = langes e, und u + ʿAin = langes o. Z. B. baʿd „nach“, gesprochen baad, śiʿr „Gedicht“, gesprochen scheer, und śuʿba „Abteilung“, gesprochen schooba.[1]

Maltesisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Maltesischen, das seit dem Mittelalter in lateinischen Buchstaben geschrieben wird, wird ʿAin heute mit dem Graphem dargestellt. Es bezeichnete ursprünglich einen Kehllaut und ist aus arabisch ʿAin (ع) und Ghain (غ) hervorgegangen. Im 20./21. Jahrhundert wird es von den meisten Sprechern nur noch vokalisch umgesetzt: Meist längt oder Diphthongiert es den davor oder danach stehenden Vokal. Der eigentliche Kehllaut ist nur noch in einigen maltesischen Dialekten zu hören.

ʿAin in Unicode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unicode Codepoint U+0639
Unicode-Name ARABIC LETTER AIN
HTML ع
ISO 8859-6 0xd9

Für die Transkription:

Unicode Codepoint U+02BF
Unicode-Name MODIFIER LETTER LEFT HALF RING
HTML ʿ

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: ʿAin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christina Oesterheld, Amtul Manan Tahir: Urdu für Anfänger. Buske, Hamburg 2016, S. 33 f.