Deutscher Kaiser

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Der Deutsche Kaiser war von 1871 bis 1918 das Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches. Das deutsche Kaisertum wurde als Fortführung des 1806 erloschenen römisch-deutschen Kaisertums verstanden, hatte faktisch aber keine politischen Gemeinsamkeiten mit dieser monarchischen Herrschaftsform des Heiligen Römischen Reiches. Verfassungsrechtlich wurde das Kaiseramt durch die Artikel 11 der Verfassung des Deutschen Bundes vom 1. Januar 1871 sowie daraufhin der Bismarckschen Reichsverfassung vom 16. April 1871 begründet. Die symbolisch-zeremonielle Weihe erfolgte am 18. Januar 1871 durch eine Proklamation deutscher Fürsten und des Militärs im Spiegelsaal von Schloss Versailles bei Paris. Die ältere Bezeichnung für den Funktionsträger in der Verfassung des Norddeutschen Bundes lautete „Präsidium des Bundes“ oder „Bundespräsidium“. Die Verfassungsnorm behielt diese ältere Bezeichnung bei, die in der Praxis jedoch völlig hinter dem Kaisertitel zurücktrat.

Der Deutsche Kaiser war kein Alleinherrscher, auch wenn ein Amtsträger wie Wilhelm II. sich dies gern als „Persönliches Regiment“ vorstellte. Mit Blick auf die deutsche Regierung hatte der Kaiser seine Rolle im Rahmen der konstitutionellen Monarchie. Er ernannte den Bundeskanzler bzw. den Reichskanzler, den einzigen verantwortlichen Minister, die Exekutive. Allerdings wurden alle Amtshandlungen des Kaisers erst wirksam, nachdem der Kanzler sie gegengezeichnet hat. Seit 1878 konnte auch ein Staatssekretär die Unterschrift leisten. In der Zeit des deutschen Kaiserreichs gab es drei Amtsträger: Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II.

Berliner Schloss, Hauptresidenz des Deutschen Kaisers bis 1918

Angesichts der drohenden Niederlage im Ersten Weltkrieg kam es im Herbst 1918 zu den Oktoberreformen. Sie sahen eine formell abgesicherte Parlamentarisierung des Regierungssystems vor: Der Reichskanzler war von da an nicht mehr dem Deutschen Kaiser, sondern dem Reichstag verantwortlich. Dennoch machte US-Präsident Woodrow Wilson einen Thronverzicht Wilhelms II. indirekt zur Vorbedingung für die Aufnahme von Waffenstillstandsverhandlungen. Um günstigere Friedensbedingungen zu erwirken und einer Radikalisierung der inzwischen ausgebrochenen Novemberrevolution vorzubeugen, verkündete Reichskanzler Max von Baden am 9. November 1918 eigenmächtig die Abdankung des Kaisers und des Kronprinzen Wilhelm. Am folgenden Tag ging Wilhelm II. ins Exil in die Niederlande, formell verzichtete er erst am 28. November 1918 auf seine Titel und Rechte.

Kartenvergleich
Das Heilige Römische Reich unter den späten Staufer-Kaisern
Das Deutsche Kaiserreich

Staatsrechtlich entstand der Titel deutscher Kaiser erst mit der Deutschen Reichsgründung 1871. Die Kaiser des bis 1806 bestehenden Heiligen Römischen Reiches verstanden und bezeichneten sich als römische Kaiser.[1] Literarisch und bildlich wurde die Kaiserherrschaft allerdings von Beginn an als Fortsetzung des Heiligen Römischen Reiches konzipiert. Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler führt dies auf das Bedürfnis zurück, „dem nüchternen Beamten- und Militärstaat Preußen etwas geschichtlichen Glanz zu verleihen“.[2] Immerhin konnte die kleindeutsche Einheit unter Ausschluss Österreichs an kein historisches Vorbild anknüpfen.[3]

Das Kaisertum des Heiligen Römischen Reiches unterschied sich jedoch wesentlich von dem des Deutschen Reiches: Während die preußisch-deutsche Kaiserinstitution national codiert war, folgte die kaiserliche Herrschaft im Heiligen Römischen Reich einem universalen Anspruch. Die deutschen Kaiser gehörten der Hohenzollern-Dynastie an und waren Könige von Preußen. Im Heiligen Römischen Reich trugen dagegen zwischen 1440 und 1806 – von einer Ausnahme abgesehen – Habsburger die Kaiserkrone.[4] Im Deutschen Reich existierte faktisch ein Erbkaisertum, das heißt die Thronfolge war in männlicher Linie dynastisch geregelt. Im Heiligen Römischen Reich wählten hingegen die Kurfürsten den Kaiser.[5] Im mittelalterlichen Reich erhob der Papst den König durch Salbung und Krönung zum Kaiser. Im Deutschen Kaiserreich war eine solche Zeremonie aufgrund der protestantischen Konfessionszugehörigkeit der Hohenzollern „undenkbar“ geworden.[6] Nach Herfried Münkler sei die Kaiserherrschaft folglich nicht mehr durch „die Weitergabe sakraler Legitimität [begründet worden], sondern [durch] de[n] Lohn“ erfolgreicher militärischer Waffengänge in den Einigungskriegen.[7]

Das Heilige Römische Reich war auch in territorialer Hinsicht ein andersartiges Gebilde als das Deutsche Kaiserreich.[8] Es umfasste neben dem Gebiet des späteren Deutschlands zeitweise auch Regionen, die heute zu Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, der Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Tschechien, Slowenien, Norditalien, Frankreich und Polen gehören. Der Herrschaftsanspruch der Kaiser wurde seit dem 12. Jahrhundert mit ihrer Heiligkeit verknüpft und leitete daraus eine Oberhoheit über alle anderen Könige ab. Ein ähnlicher Hegemonieanspruch über andere Völker wurde im Deutschen Kaiserreich zunächst vermieden: Reichskanzler Otto von Bismarck sprach in dem Sinne von einer Saturiertheit, das heißt das Deutsche Kaiserreich sollte als ein mit dem Status quo zufriedener und nicht gebietshungriger Staat erscheinen.[9] In der Wilhelminischen Zeit stellte die Politik das Streben nach imperialistischer Weltgeltung jedoch in die Tradition der staufischen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.[10]

Wandlungen der Kaiseridee nach dem Untergang des Heiligen Römischen Reiches

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Zeitgenössischen Karikatur zur Ablehnung der Kaiserwürde 1849 (symbolisiert durch die Reichskrone): Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. macht seine Entscheidung vom Abzählen seiner Uniformknöpfe abhängig: „Soll ich? – Soll ich nich? – Soll ich?! Knöppe, ihr wollt! nu jerade nich!!“

Der Rückbezug auf ein weiter zurückreichendes „deutsches“ Kaisertum hatte seine Wurzeln in der politischen Situation Anfang des 19. Jahrhunderts: Der Untergang des Heiligen Römischen Reiches, die französische Vorherrschaft unter Napoleon und die zunehmend kritisierte deutsche Kleinstaaterei begünstigte den Wunsch nach einem nationale Einheit stiftenden Kaisertum.[11]

Vor einem nationalen Hintergrund spielten im gesamten 19. Jahrhundert verschiedene Konzepte von Reich und Kaisertum eine zentrale Rolle. Einen Konsens über die ideale politische Form des deutschen Kaisertums gab es dabei nicht. Ein romantisches Konzept befürwortete eine Wiederanknüpfung an die Kaiserherrschaft des Heiligen Römischen Reiches. Demnach sollte der künftige Kaiser theokratisch legitimiert sein und eine Oberhoheit über mehrere Nationen ausüben. In dieser Tradition stand zunächst auch die sogenannte Kyffhäusersage, wonach der mittelalterliche Stauferkaiser Friedrich I. wieder auferstehen werde, um erneut über sein Reich zu herrschen.[12] Eine Restauration der 1806 verschwundenen „deutschen“ Kaiserherrschaft wurde Anfang des 19. Jahrhunderts unter anderem von Persönlichkeiten wie dem Publizisten und Historiker Ernst Moritz Arndt, dem preußischen Staatsreformer Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein, dem Kulturphilosophen Friedrich Schlegel und dem Dichter Friedrich Rückert beworben. In den Revolutionen 1848/1849 erfuhr der Kaisergedanke teilweise eine Umdeutung. Das Kaisertum sollte demnach die Macht eines neuen geeinten deutschen Nationalstaates verkörpern und sicherstellen.[13]

Im Unterschied zur Reichsgründung 1871 sah die 1849 verabschiedete Paulskirchenverfassung für das Reichsoberhaupt nicht den Titel eines deutschen Kaisers, sondern noch eines Kaisers der Deutschen vor. Die Bezeichnung bezog sich damit dezidiert demokratisch auf das deutsche Volk und unterstrich eine Volkssouveränität.[14] Der von der Frankfurter Nationalversammlung zum Kaiser gewählte preußische König Friedrich Wilhelm IV. lehnte die Würde mit dem Hinweis auf ihren revolutionären Ursprung ab. Gegenüber seinem diplomatischen Gesandten in London, Christian Carl von Bunsen, bekannte er schon vorab im Dezember 1848 brieflich: „Soll die tausendjährige Krone deutscher Nation, die 42 Jahre geruht hat, wieder einmal vergeben werden, so bin ich es und meinesgleichen, die sie vergeben werden“.[15]

Schaffung des Titels während des Deutsch-Französischen Krieges

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Etwa zwei Jahrzehnte später, während des Deutsch-Französischen Krieges 1870, bestanden bei der Errichtung eines deutschen Kaisertums andere politische Konstellationen. Seit 1867 existierte mit dem Norddeutschen Bund nördlich der Mainlinie ein Staatenzusammenschluss unter preußischer Führung. Nicht gewählte Parlamentsabgeordnete wie 1849, sondern fürstliche Regierungen handelten nun einen Beitritt der süddeutschen Staaten zum Norddeutschen Bund aus.[16]

Verhandlungen mit den süddeutschen Staaten

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Die preußische Führung plante König Wilhelm I. zum Oberhaupt eines deutschen Nationalstaates zu erheben. Dabei rechnete sie damit, dass die süddeutschen Fürsten eher bereit seien, einen deutschen Kaiser als einen preußischen König anzuerkennen. Erstens knüpfte der Kaisertitel an die Tradition des Heiligen Römischen Reiches an und zweitens konnte Wilhelm I. nur als Kaiser einen Rang über den Königen von Bayern, Württemberg und Sachsen einnehmen.[14] Der Kaisertitel versprach insbesondere Ressentiments abzufedern: Schließlich galt der Süden des ehemaligen Heiligen Römischen Reiches als traditionell kaisernah. Die Region wurde von den staufischen und später habsburgischen Kaisern dominiert. In Nordostdeutschland, insbesondere am preußischen Hof und im nationalliberalen Lager wurde das künftige Kaisertum dagegen als ein neuartiges Konstrukt wahrgenommen, das keine Bezüge zur kaiserlichen Herrscherwürde des Heiligen Römischen Reiches betonen sollte.[17]

Die langandauernde Verhandlungen des Bundeskanzlers Otto von Bismarck mit den süddeutschen Regierungen hatten schließlich Erfolg, auch wenn er einige Zugeständnisse machen musste. In den Novemberverträgen verpflichteten sich die süddeutschen Staaten, einem Deutschen Bund (so die offizielle Bezeichnung) beizutreten. Im Gegenzug behielten sie ihre Selbstverwaltung im Post-, Telegraphen- und Bahnwesen. Der bayerische König blieb in Friedenszeiten Oberbefehlshaber der Armee seines Landes.[18] Für eine zügige Erhebung Wilhelms zum deutschen Kaiser gab es auch einen innenpolitischen Grund: Die preußische Regierung war an einer Etatbewilligung durch den Reichstag interessiert. Wilhelms Rangaufwertung versprach die notwendige Unterstützung im Parlament sicherzustellen.[19]

Im November 1870 gelang es Bismarck auch, dem bayerischen König, Ludwig II., das Zugeständnis abzuringen, Wilhelm I., brieflich um die Annahme einer Kaiserwürde zu bitten. Dieser sogenannte Kaiserbrief war von Bismarck vorformuliert und empfahl „die Wiederherstellung eines deutschen Reiches und der deutschen Kaiserwürde“. Die schon in der Verfassung des Norddeutschen Bundes angelegten präsidialen Rechte sollten nun mit einem Kaisertitel zusammengeführt werden.[20]

Vom Bundesprasidium zum Kaisertitel und Fortbestehen des präsidialen Amtes

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Wilhelm I. fungierte als Bundespräsidium des Norddeutschen Bundes.[21] Die national denkende Öffentlichkeit sah in dieser Amtsbezeichnung eine unpassende sprachliche Anlehnung an den 1866 aufgelösten Deutschen Bund, dem sie laut dem Historiker Eckart Conze eine „nationale Schwäche“ und „partikularstaatliche Zersplitterung“ zuschrieben. Das Kaisertum schien dagegen aus Sicht der Zeitgenossen geeigneter für die Repräsentation eines mächtigen deutschen Nationalstaates zu sein.[22]

König Wilhelm I. gedachte zwar, als Reichsmonarch an die Spitze des deutschen Nationalstaates zu treten, haderte aber mit einem möglichen Kaisertitel.[23] Dieser Würde wollte er erst zustimmen, wenn sie ihm von allen deutschen Fürsten angetragen werden würde. So empörte sich der Monarch zunächst über den Kaiserbrief. Erst nachdem er in einem Telegramm erfuhr, dass die deutschen Fürsten insgesamt eine solche Rangerhöhung befürworten würden, konnte mit den Vorbereitungen für eine Kaiserproklamation begonnen werden.[24] Wilhelms Widerstreben hatte auch damit zu tun, dass er in der Kaiserwürde eine Nähe zu den wenig traditionellen Kaiserreichen vermutete. Das zweite napoleonische und österreichische Kaiserreich waren erst 1852 beziehungsweise 1804 entstanden. Der preußische Thronfolger Friedrich Wilhelm versuchte dem König daraufhin einzureden, eine „über tausend Jahre alte, seit dem Jahr 1806 durch die Abdankung des Kaisers Franz nur ruhende Kaiser- und Königskrone von Deutschland“ anzunehmen.[25]

Am 10. Dezember 1870 stimmte der Reichstag für den Vorschlag, in der neuen Verfassung statt des Begriffes Präsidium des Bundes den Titel Deutscher Kaiser einzuführen. Der Deutsche Bund wurde in dem gleichen Akt zum späteren „Deutschen Reich“ erklärt. Die Verfassung trat formal aber erst am 1. Januar 1871 in Kraft.[26] Das Bundespräsidium erhielt in Artikel 11 zusätzlich den Titel „Deutscher Kaiser“. In der Verfassung des Deutschen Reiches vom 16. April 1871 kam die neue Bezeichnung an die meisten Stellen, die noch vom „Bundespräsidium“ bzw. „Bundesfeldherrn“ gesprochen hatten.[27] Der deutsche Kaiser blieb formal das Präsidium des sogenannten Bundesrates, also der Vertretung der deutschen Gliedstaaten. Diese Stellung war verfassungsrechtlich ein Problem, wie der Rechtshistoriker Paul Laband ausdrückte: Der deutsche Kaiser könne „nicht Beamter sein wie der Präsident einer Republik, weil er Mitsouverän ist, und er kann nicht Monarch sein, weil er nicht alleiniger Souverän ist.“[28] Folglich nahm, so die Einschätzung des Historikers Christopher Clark, der deutsche Kaiser unter den Bundesfürsten formal lediglich die Stellung des „Primus inter pares“, also des Ersten unter Gleichen ein. Seine Oberhoheit war offiziell zu Gunsten einer föderalen Staatsordnung beziehungsweise der im Bundesrat vertretenen Mitgliedsstaaten beschränkt.[29]

Einrichtung des Kaisertitels und seine Stellung

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Verfassungsrechtliche Stellung seit 1871

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Das Kaisertum (oben links) als Verfassungselement

Der deutsche Kaiser war ein konstitutioneller Monarch und das Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches. Er war jedoch nur ein wichtiges Staatsorganen neben drei weiteren: dem Bundesrat, dem Reichstag als nationales Parlament und dem Reichskanzler.[30] Das Kaiseramt war gemäß Artikel 11 der Verfassung in Personalunion mit dem des Königs von Preußen verbunden. Auf diese Weise sollte im offenen Widerspruch zum föderalen Prinzip eine preußische Vorherrschaft in Deutschland sichergestellt werden. Die Kaiser verfügten über weitreichende exekutive Vorrechte. Nach Artikel 53 und 63 hatte der Kaiser den Oberbefehl über Armee und Marine inne. Er konnte gemäß Artikel 15 den Reichskanzler ernennen und entlassen, wodurch er den Regierungskurs vorgeben konnte. Zusammen mit dem Bundesrat entschied der Kaiser nach Artikel 11 über Kriegserklärungen und Friedensschlüsse. Die Macht des Kaisers war jedoch nicht unumschränkt. So war laut Artikel 17 dieser bei dem Erlass von Verordnungen und Verfügungen auf die Gegenzeichnung des Reichskanzlers angewiesen. Zu den legislativen Befugnissen des Kaisers gehörte nach Artikel 12 die Einberufung oder Auflösung von Bundesrat und Reichstag. Für eine Schließung des Reichstages benötigte der Kaiser gemäß Artikel 24 die Zustimmung des Bundesrates.[31]

Der Kaiser gab Gesetze öffentlich bekannt und sollte in letzter Instanz für deren Umsetzung sorgen. Außerdem durfte er gemäß Artikel 68 regional einen Ausnahmezustand ausrufen. Verfassungsrechtlich nicht geregelt war, mit wem sich der Kaiser beriet. Während Kaiser Wilhelm I. sich hauptsächlich mit dem Reichskanzler Otto von Bismarck abstimmte, vertraute Kaiser Wilhelm II. eher auf Berater aus seinem persönlichen Umfeld.[30] Die Verfassung sagte auch nichts über eine Vererbung des Kaiseramtes aus. Es blieb offen, was im Falle einer Regentschaft oder Abdankung geschehen sollte. Faktisch galten daher nach dem Preußischen Staatsrecht die Bestimmungen der preußischen Verfassung, welche für das preußische Herrscherhaus eine dynastische Erbfolge vorschrieb.[32] Wie andere Verfassungen der Zeit nannte die preußische den Monarchen in Artikel 43 ausdrücklich „unverletzlich“. Die preußischen Regelungen galten entsprechend für den Kaiser, so dass er nicht vor ein Strafgericht gestellt werden konnte. Der Reichskanzler übernahm die politische Verantwortung mit Blick auf das Parlament.[33] Das Reichsheer und die Kaiserliche Marine standen zu aller Zeit, Frieden wie auch Krieg, unter dem Befehl des Kaisers. Für Kommandoakte galt die Ministerverantwortlichkeit bzw. Gegenzeichnungspflicht nicht, da der Kaiser dafür in seiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber agierte.[34][35]

Die Bundesverfassung kannte keinen Verfassungseid des Präsidiums bzw. später des Kaisers. Dennoch legten Friedrich III. und Wilhelm II. anstandslos und freiwillig jeweils ein Reichsverfassungsgelöbnis vor dem Reichstag ab. Einen Eid kannten sie aus der preußischen Verfassung. In Preußen hätte die Verweigerung des Eides eine schwere Krise ausgelöst, denn der König hätte dann seine königlichen Rechte nicht ausüben können. Er wäre dennoch König gewesen und folglich Inhaber des Bundespräsidiums. Die Bindungen aus der Bundesverfassung galten für den Kaiser überhaupt bereits durch Annahme des Amtes, nicht erst durch eine Eidesleistung.[36]

Symbolische Handlungen und höfische Repräsentation

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Annahme der Kaiserwürde

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Dritte Fassung des Gemäldes Die Proklamierung des deutschen Kaiserreiches (18. Januar 1871) von Anton von Werner, 1885

Zunächst gab es Überlegungen, die symbolische Annahme einer deutschen Kaiserwürde mit einer Krönung zu begehen, ähnlich wie die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Städte wie Berlin, Frankfurt und Aachen warben darum, die feierliche Zeremonie auszutragen. Das Vorhaben wurde kontrovers diskutiert. So meinte der sozialdemokratische Politiker Karl Liebknecht polemisch, der Gendarmenmarkt in Berlin sei die geeignete Kulisse einer Krönung, „denn dieses Kaisertum kann in der Tat nur durch Gendarmen aufrecht erhalten werden“. Er spielte damit auf die kriegerische Einigung durch Blut und Eisen an. Statt einer sakralen Herrscherweihe fand am 18. Januar 1871 eine Proklamation, also eine Ausrufung zum Kaiser durch Fürsten und Militärs statt. Die Zeremonie wurde noch während des Deutsch-Französisch Krieges im Spiegelsaal von Schloss Versailles bei Paris vollzogen.[37]

Wilhelm I. selbst erkannte den Umstand, dass er qua Verfassung rechtlich schon seit dem 1. Januar 1871 deutscher Kaiser war, nicht an. Den Tag der Kaiserproklamation setzte er bewusst auf den 18. Januar 1871 fest. Der Termin genau 170 Jahre nach der Königskrönung Friedrichs I. sollte die Reichsgründung als weitere Aufwertung der preußischen Hohenzollerndynastie erscheinen lassen. Eine Delegation des Reichstages, die Wilhelm am 16. Dezember 1870 um Annahme des Kaisertitels bat, ließ er zwei Tage warten. Auf diese Weise wollte er den Eindruck einer demokratischen Begründung seiner Kaiserherrschaft vermeiden.[38]

Wilhelms Rangerhöhung zum deutschen Kaiser ging ein Streit zwischen dem preußischen König und dem Ministerpräsidenten voraus. Wilhelm verlangte zum Kaiser von Deutschland proklamiert zu werden. Der Titel sollte seinen künftigen Herrschaftsanspruch auch in den nicht-preußischen Bundesstaaten bekräftigen. Bismarck fürchtete, dass ein solches Signal die deutsche Einheit noch gefährden würde. Der bayerische Landtag hatte einem Beitritt zu dem deutschen Nationalstaat noch nicht zugestimmt. Darüber hinaus wollte Bismarck keine Widerstände durch die Könige von Württemberg und Bayern provozieren. Nur mit der Einwilligung in zahlreiche Sonderrechte war es ihm überhaupt gelungen, die starken süddeutschen Vorbehalte gegen ein von Preußen geführtes Deutschland abzuschwächen. Bismarck plädierte daher für den Titel deutscher Kaiser.[39] Wilhelm wollte davon jedoch nichts wissen. Noch am 17. Januar 1871, einen Tag vor der Kaiserausrufung, brach er die Vorplanung des symbolischen Aktes ab. Der Großherzog von Baden rief ihn schließlich im Schloss Versailles bei Paris zu Kaiser Wilhelm aus und umging so die ungelöste Frage, ob Wilhelm als deutscher Kaiser oder Kaiser von Deutschland dem Reich vorstand.[40]

Wilhelm selbst stufte die Angelegenheit als bloße „Titelaffaire“ ein.[41] Gleichwohl schätzte er seinen kaiserlichen Titel wenig. So teilte er seiner Frau Augusta in einem Brief mit, dass es ihm Qualen bereite, „den preußischen Titel verdrängt zu sehen“.[42] Der Historiker Christoph Nonn vermutet hinter solchen Äußerungen berechtigte Befürchtungen des Kaisers. Der sich vor allem mit Preußen identifizierende Wilhelm habe vorausgesehen, dass sein Königreich langfristig in Deutschland aufgehen würde.[43] Wilhelm wollte so zunächst auch den preußischen Königstitel dem deutschen Kaisertitel vorangestellt sehen, verstand aber, dass dadurch Süddeutschland verärgert worden wäre. Zudem sprach gegen einen Titel „Kaiser von Deutschland“, dass der verfassungsmäßige Name des nationalen Gesamtstaates „Deutsches Reich“ und nicht „Deutschland“ war.[44] Eine eigene deutsche Kaiserkrone wurde nie angefertigt. Bei den Eröffnungen des deutschen Reichstages im Berliner Schloss wurden dementsprechend nur die preußischen Insignien präsentiert.[45] Der spätere Kaiser Friedrich III. ließ zwar in Wien anfragen, ob die Reichskleinodien den Hohenzollern überlassen werden könnten. Die Österreicher lehnten das Ansinnen jedoch ab.[46]

Hofstaat, Reichstageröffnungen und Kaisergeburtage

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Eröffnung des Reichstages 1888 im Weißen Saal des Berliner Schlosses, Gemälde Anton von Werners

Uneinigkeit besteht in der Forschung über die kaiserlich-imperiale Umformung des Hofstaates. Laut dem Historiker Wolfgang Neugebauer sei der Hof unter Wilhelm I. noch eine königlich-preußische Institution geblieben. Das traditionelle Zeremoniell sei bis 1888 weitgehend beibehalten und die Hofhaltung ausschließlich aus preußischen Mitteln finanziert worden.[47] Demgegenüber betont Martin Kohlrausch, dass „die vermeintliche wilhelminische Änderungswut [...] zu großen Teilen auf einer optischen Täuschung“ beruhe. Abgesehen von einer intensivierten Reiserepräsentation und der Etablierung weiterer Höfe jenseits von Berlin und Potsdam habe Wilhelm II. wenig Veränderungen des Hofes herbeigeführt. Unter Wilhelm I. seien bereits „eine ganze Reihe von Maßnahmen“ in Reaktion auf die Reichsgründung initiiert worden.[48] Vor allem wurde der Zugang zum Hof noch strikter reglementiert. Eine 1878 eingeführte Hofrangliste sah 62 Rangstufen vor. Dies war nur noch mit dem russischen Hofprotokoll vergleichbar. Unter Wilhelm II. konnten nicht-adlige Industrielle und Bankiers zwar mit dem Kaiser in einen direkten persönlichen Kontakt treten, blieben von der Hofgesellschaft aber weiterhin ausgeschlossen.[49] Das Berliner Schloss blieb der offizielle Zentralort des Hofes. Im dortigen Weißen Saal eröffneten die Kaiser den Reichstag und veranstalteten größere Bälle.[50] Neben der formalen Hauptresidenz gab es noch mehrere weitere Residenzen. Wilhelm I. beispielsweise bevorzugte zwischen Herbst und Frühjahr das Alte Palais in Berlin und verbrachte Frühjahr und Sommer meist in Schloss Babelsberg bei Potsdam. Es folgten Kurbesuche in Bad Ems, Bad Gastein und Baden-Baden.[51] Wilhelm II. residierte im Berliner Schloss, schuf sich und seiner Familie aber auch zahlreiche „Ersatzhöfe“ zur Erholung und zum privaten Rückzug, etwa im Neuen Palais bei Potsdam, in Bad Homburg und Wilhelmshöhe bei Kassel.[52]

Den monarchisch-kaiserlichen Charakter des Reiches betonten insbesondere die Reichstagseröffnungen: Die gewählten Parlamentsvertreter lud der Kaiser ins Berliner Schloss ein, wobei die Abgeordneten der SPD und aus Elsaß-Lothringen dem Ereignis stets unter Protest fernblieben.[53] Anders war es in Großbritannien: Dort begab und begibt sich der König ins Unterhaus zu den Abgeordneten.[54] Eine wichtige symbolische Rolle spielten im öffentlichen Leben die Kaisergeburtstage. Begangen wurden sie unter Wilhelm I. am 22. März und unter Wilhelm II. am 27. Januar. Laut Monika Wienfort entwickelten sie eine wachsende Integrationskraft, da sie zunehmend Volksfestcharakter angenommen hätten. Andere Autoren bezweifeln dies unter Hinweis auf die allgemeine Zurückhaltung der Katholiken, die mangelnde Integration der Arbeiter und die Verweigerung oder das Hinauszögern öffentlicher Unterstützung der Feierlichkeiten in Regionen wie Bayern und Hamburg.[55]

Weitere Entwicklung und Amtsträger

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Trotz einer bis 1918 fast unverändert gültig bleibenden Reichsverfassung schwankte die Machtstellung des deutschen Kaisers stark. Der Reichskanzler war immer dann besonders auf eine Stützung durch den Kaiser angewiesen, wenn Mehrheiten im Reichstag gegen seine Politik opponierten. Dies schwächte Bismarck beispielsweise in den Jahren zwischen 1881 bis 1886 sowie 1890. Stand der Reichstag dagegen mehrheitlich auf der Seite des Reichskanzlers musste dieser weniger Rücksicht auf den Kaiser nehmen.[56] Außerdem erweiterte eine generelle Zentralisierung des Regierungssystems faktisch die legislativen und exekutiven Befugnisse des Kaiseramtes.[57] In der Geschichte des Kaiserreiches gab es insgesamt drei Träger des Titels, Kaiser Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II.

Wilhelm I. war bereits seit 1858 Regent für seinen erkrankten Bruder und seit 1861 preußischer König. Seit dem 1. Juli 1867 war er Inhaber des Bundespräsidiums, seit dem 1. Januar 1871 zugleich Kaiser. Wilhelm I. blieb laut Christopher Clark „im Grunde bis zu seinem Tod […] preußischer König“. Erst Wilhelm II., sein Enkel, habe sich als nationaler Monarch inszeniert.[58] Dieser Bewertung widerspricht Frederik Frank Sterkenburgh. Er argumentiert, dass der damalige deutsche Nationalismus sich stark auf dynastisch-föderale Traditionen stützte. Da sich in Wilhelms Verständnis die deutsche Nation aus der Summe ihrer Gliedstaaten und einzelnen fürstlichen Repräsentanten zusammengesetzt habe, sei es für ihn kein Widerspruch gewesen, sowohl als Verkörperung Preußens als auch Deutschlands aufzutreten.[59] Daher hält Sterkenburgh die Interpretation von Wilhelm als „Erzpreuße“, den das nationale Modell überfordert habe, für eine nachträgliche Fehldeutung aus den 1890er Jahren.[60] Nach Einschätzung von Jan Markert sei sich Wilhelm „des politischen Gewichts seiner neuen gesamtdeutschen Stellung bewusst“ gewesen. Obwohl er qua Reichsverfassung unter den deutschen Bundesfürsten formal nur als Erster unter Gleichen vorgesehen war, sei er faktisch in die „Rolle eines Reichsmonarchen“ geschlüpft.[61] Der erste deutsche Kaiser starb am 9. März 1888 mit 90 Jahren.

Sein Sohn Friedrich III. wurde sogleich neuer preußischer König und deutscher Kaiser. Der 57-Jährige war jedoch gesundheitlich angeschlagen: Da er seit seiner Jugend ein starker Raucher war, erkrankte er schwer an Kehlkopfkrebs. Noch kurz vor seinem Herrschaftsantritt wurde ein Luftröhrenschnitt vorgenommen. Die Operation bannte die akute Gefahr des Erstickens, nahm dem Monarchen aber seine Stimme. Friedrich III. erhielt daher im Volksmund den Beinamen „stiller Kaiser“. Es war abzusehen, dass seine Herrschaft nur ein kurzes Intermezzo sein würde. Nichtsdestotrotz plante Friedrich III. mehrere Reformen. Er wollte die föderalen Beschränkungen der Regierung und des Reichstages überwinden und weigerte sich zunächst auch, die Sozialistengesetze zu verlängern. Letzteres veranlasste Reichskanzler Bismarck dazu, mit dem Rücktritt seiner Regierung zu drohen. Der Kaiser fügte sich daraufhin.[62] Friedrich III. beanspruchte zwar Vetorechte für sein Amt. Nach Einschätzung des Historikers Oliver Haardt war der „todgeweihte Kaiser“ jedoch in einer ähnlich schwachen Position wie ein Präsident, „der am Ende seiner Amtszeit steht und nicht zur Wiederwahl antreten darf oder will.“[63] Friedrich III. starb nach nur 99 Tagen im Amt, sodass das Jahr 1888 als Dreikaiserjahr in die deutsche Geschichte einging. Mit dem frühen Tod des Kaisers verband sich im historiographischen Rückblick „die These von der verpassten liberalen Ausgestaltung des Kaiserreiches“. Dieser Lesart nach sei es fatal gewesen, dass Friedrichs Sohn, der nunmehrige Wilhelm II., früh den Thron bestieg und auf diese Weise eine Parlamentarisierung des Deutschen Reiches verhindert worden sei. Mittlerweile gilt diese Sichtweise jedoch als widerlegt. Der Historiker Frank Lorenz Müller zeigte, dass Friedrich III. und Wilhelm II. politisch und persönlich nahe beieinander lagen.[64]

Nach der Entlassung Bismarcks strebte Wilhelm II. in den 1890er Jahren ein „persönliches Regiment“ an. Er machte intensiv von seinem Recht Gebrauch, das staatliche und militärische Führungspersonal zu ernennen. Außerdem förderte er in der Regierung eine Politik des Sozialstaates, aber auch der Repression gegen die Sozialdemokratie. Der Flottenbau und eine imperialistische „Weltpolitik“ wurden forciert, innenpolitische Reformen blockiert. Seit der Jahrhundertwende gingen die kaiserlichen Initiativen in der Innenpolitik zurück. Die Daily-Telegraph-Affäre 1908 schwächte die außenpolitische Autorität des Kaisers. Eine leitende Rolle spielten nun verstärkt die Reichskanzler Bernhard von Bülow und Theobald von Bethmann Hollweg. Im Ersten Weltkrieg übte faktisch die Oberste Heeresleitung das Kommando aus.[65] Kennzeichnend für die Politik Wilhelms II. waren, wie Haardt zusammenfasst, seine „unvorhersehbaren Eingriffe in die Regierungspolitik, seine martialischen Reden, seine offene Verachtung des Parlamentarismus im Allgemeinen und der Sozialdemokratie im Speziellen, sein hypernationalistisches, oft aggressives und ungeschicktes Verhalten anderen Großmächten gegenüber und seine unverhohlene Bevorzugung alles Militärischen vor der Zivilgewalt“.[66] Clark bilanziert, dass die historische Rolle Wilhelms II. „weniger in der Durchsetzung eines autokratischen Willens“ bestand, sondern „in dem chronischen Versagen der Führung“. Der Kaiser sei derart sprunghaft gewesen, dass er kein „eigenes konzises politisches Programm“ verfolgte.[67] Auch Wehler kam zu dem Ergebnis, dass Wilhelm II. Deutschland in eine „permanente Staatskrise führte“, da er außerstande gewesen sei, die „Polykratie rivalisierender Machtzentren“ zu überwinden.[68] Wienfort zufolge fehlte es Wilhelm schon an Ausdauer, sich in Regierungsakten einzuarbeiten. Die wachsende „Bedeutung eines immer umfangreicher werdenden Staatsapparats und die Komplexität der Regierungsarbeit“ habe die Mitwirkung des Kaisers reduziert. Wienfort bescheinigt dem Kaiser jedoch zumindest Einfluss auf Personalentscheidungen bei hohen Staatsämtern und in der Kirchenpolitik gehabt zu haben. Auch sei er befähigt gewesen, „die Atmosphäre bei bilateralen Treffen maßgeblich [zu] prägen“.[69] Für den in den Ersten Weltkrieg mündenden außenpolitische Kurs sei aber weniger der Kaiser als vielmehr Reichskanzler und Reichstag verantwortlich, die allzu sehr der Stimmung der Öffentlichkeit und der militärischen Führung gefolgt seien.[70] John Röhl attestiert Wilhelm II. dagegen ein „monarchisches Regime [geschaffen zu haben], in dem der Kaiser und sein Hof und nicht mehr der Reichskanzler und seine Leute die politische Macht [...] innehatten“. Das von Wilhelm installierte Beraterumfeld trage folglich die Schuld daran, dass das Deutsche Reich „über die Weltmachtpolitik und den Schlachtflottenbau in [... eine] innenpolitische Krise und außenpolitische Isolation“ geriet. Der Kurs des Kaisers habe damit wesentlich zur Katastrophe des Ersten Weltkrieges beigetragen.[71]

Der Kaisermythos

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Reiterstandbilder von Wilhelm I. (links) und der Stauferkaiser Friedrich I. (rechts) auf dem Vorplatz der Kaiserpfalz Goslar

Großen Wert wurde seit 1871 auf eine angebliche „Wiedergeburt“ des hochmittelalterlichen Kaisertums der Ottonen, Salier und Staufer gelegt. Schriftsteller, Historiker und Künstler werteten die spätmittelalterliche Zeit der habsburgischen Kaiser hingegen als Phase des Niedergangs ab.[72] Oftmals wurde der erste deutsche Kaiser, Wilhelm I., zu einem neuen Barbarossa stilisiert. Die Erinnerung an den Stauferkaiser habe, wie Siegfried Weichlein einschätzt, auch „die Misere der Gegenwart“ überspielen sollen. Schließlich erschütterten eine antikatholische Politik und Repressionen gegen die Sozialdemokratie das Deutsche Reich innenpolitisch.[73] Gerade „der Kampf gegen den Papst“ machte, wie Rudolf Speth betont, Barbarossa „zum Vorläufer Luthers und zum Ahnherrn des evangelischen Kaisertums“.[74] In diesem Sinne äußerte sich Bismarck auf dem Höhepunkt des Kulturkampfes in einem bekannt gewordenen Ausspruch vor dem Reichstag. Seine Versicherung „Nach Canossa gehen wir nicht“ spielte auf den Bußgang König Heinrich IV. im Jahr 1077 an. Um von der päpstlichen Exkommunikation losgesprochen zu werden, kniete der Monarch vor Papst Gregor VII. nieder.[75]

Das Kaiserhaus selbst nahm Einfluss auf historischen Narrative, indem es Denkmäler und Bilder in den Dienst seiner Selbstdarstellung stellte. Eine besondere Rolle spielte dabei eine Verherrlichung der deutschen Einigungskriege und früherer preußischer Waffenerfolge. Der Kunsthistoriker Matthias Eberle führt diese visuelle Inszenierung darauf zurück, dass die Hohenzollern im Vergleich zu anderen Dynastien eine weniger weit zurückreichende bedeutende Tradition vorweisen konnten. Erst seit dem späten 17. Jahrhundert und 18. Jahrhundert spielten sie eine politisch wichtigere Rolle in Europa. In den Worten von Eberle bemühten sich die Hohenzollern-Kaiser daher darum, „ihr Handeln in der Vergangenheit so darzustellen, als sei es immer schon auf die Einheit der Deutschen ausgerichtet gewesen: Preußen und Deutschland sollten als ein- und dasselbe wahrgenommen werden.“[76] Ein Beispiel für diese Art der Inszenierung ist das von einem Komitee aus Reichstagsabgeordneten und regionalen Honoratioren initiierte Niederwalddenkmal bei Rüdesheim am Rhein. Es warb in den Worten von Reinhard Alings für ein „hohenzollernschen Volks- und Heerkaisertum“. Kränze und das preußische Eiserne Kreuz am Fuß des obersten Sockels sowie eine Wappenreihe, in deren Zentrum der deutsche Reichsadler mit dem preußischen Wappenschild auf der Brust sitzt, verweisen auf eine monarchisch-militärische Tradition des Deutschen Reiches. Die unter dem Hauptrelief eingemeißelten Strophen des Liedes Die Wacht am Rhein sowie das Standbild der Germania mit Kaiserkrone in der rechten Hand referieren auf volkstümliche Elemente.[77] Die zahlreich entstehenden Kaiser-Wilhelm-Denkmäler leiteten aus der kriegerisch vollzogenen Einigung Deutschlands die machtpolitische Schlussfolgerung ab, dass Kaiser und Militär auch künftig die Führung zustehe. Dieses Narrativ verlor jedoch nach 1900 allmählich an Rückhalt in der Bevölkerung. So verherrlichte das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Hamburg nicht mehr nur den Kaiser und das Militär, sondern auch den Hamburger Seehandel und Wohlstand.[78]

Während des Kaiserreiches verschränkten die unterschiedlichen politischen Lager das Kaisertum auch mit vielen Zukunftsmodellen. Wolfgang J. Mommsen ordnet diese verschiedenen Kategorien zu: Die Partei der Nationalliberalen befürwortete demnach ein „Nationalkaisertum“, welches „die Einheit der deutschen Nation [...] vollenden“ sollte. Das „imperiale Kaisertum“ sollte dem Reich eine politische Weltgeltung verschaffen. Insbesondere der Historiker Otto Hintze warb um eine solche Programmatik. Populistische Kreise um Friedrich Naumann forderten ein „Volkskaisertum“. Ein „Sozialkaisertum“ sollte sich wiederum für sozialstaatliche Maßnahmen einsetzen. Politische Realität wurde allerdings keines dieser Konzepte.[79] Die große Wirkmacht des deutschen Kaisermythos schreibt die Historikerin Elisabeth Fehrenbach einer politischen Variabilität zu: Der „beliebig austauschbare politische Inhalt [... habe es ermöglicht,] Anhänger quer durch alle Parteien“ für die Kaiseridee zu gewinnen.[80]

Ende des Kaisertums 1918

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Reichskanzler Max von Baden auf dem Weg zum Reichstag, Oktober 1918

Das Kaisertum war bereits vor dem Ersten Weltkrieg in Teilen der Bevölkerung unpopulär. Sozialdemokraten und Liberale wurden dadurch verprellt, dass die Kaiser Reformen in Richtung einer parlamentarischen Monarchie blockierten. Auch das Fortbestehen des Dreiklassenwahlrechts in Preußen kostete der Monarchie Ansehen. Katholische Lager, die Frauenbewegung und die Avantgarde waren ebenfalls potenzielle Gegner des Kaisertums. Die Reden Wilhelms II., besonders die sogenannte Hunnenrede, hatten bereits mehrfach mediale Skandale ausgelöst und Debatten über die Grenzen „der verfassungsrechtlichen Rolle“ des Kaisers angestoßen.[81] Im Ersten Weltkrieg erwies es sich als Problem, dass der Kaiser als die zentrale „Verkörperung von Staat und Nation“ angesehen wurde, denn in der öffentlichen Wahrnehmung wandelte er sich damit auch zum Symbol der deutschen Niederlage und der Versorgungsnot.[82]

Um einer Revolution in Deutschland vorzubeugen, ratifizierte Wilhelm II. am 28. Oktober 1918 eine Verfassungsänderung. Die sogenannten Oktoberreformen beschnitten die Macht des Kaisers deutlich. Wilhelm II. hoffte jedoch insgeheim noch, die Reformen später per Staatsstreich wieder rückgängig machen zu können.[83] Die Oktoberreformen legten in Artikel 15 fest, dass der Reichskanzler „zu seiner Amtsführung das Vertrauen des Reichstages benötigt“. Im Kern hieß dies, dass der vom Kaiser ernannte Reichskanzler von dem Parlament gestürzt werden konnte. Eine gegen Mehrheitsverhältnisse gerichtete kaiserliche Politik war damit nicht länger möglich. Die konstitutionelle Stellung des Kaisers wandelte sich zu einer vollständig parlamentarischen.[84] All dies reichte jedoch zu einer Beruhigung der Bevölkerung nicht aus. Im Gegenteil wurde – auch aufgrund einer gelockerten Zensur – verstärkt die Abdankung des Kaisers gefordert. Von einer Entmachtung des Kaisers versprachen sich Öffentlichkeit und Politik einen milderen Frieden. Sie interpretierten dabei insbesondere den Wortlaut des US-Präsidenten Woodrow Wilson in diese Richtung. Wilson hatte in einem Mitte Oktober an die deutsche Reichsregierung gerichteten Schreiben erklärt, dass „jede Willkür und Macht, die für sich allein und heimlich den Frieden der Welt stören kann“ abgeschafft werden müsse. Jene „Macht“, so Wilson weiter, habe „bisher die deutsche Nation beherrscht“. Aus Sorge um seine Sicherheit verließ der Kaiser Berlin und begab sich am 29. Oktober nach Spa, den Sitz des Hauptquartiers der Obersten Heeresleitung. Wilhelm zeigte sich anschließend nur bereit, als deutscher Kaiser, nicht aber als preußischer König abzudanken. Dessen ungeachtet erklärte Reichskanzler Max von Baden am 9. November 1918 eine vollständige Abdankung des Kaisers und Königs.[85] Um den drohenden Bürgerkrieg zu verhindern, wollte Max die Reichskanzlerschaft Ebert direkt übertragen. Dazu musste die Abdankung des Kaisers bereits feststehen, was die Eile miterklärt.[86]

Ernst Rudolf Huber kritisiert daran, dass Max bereits die Verfassung gebrochen habe: erstens durch die eigenmächtige Veröffentlichung einer angeblichen Abdankung, zweitens durch die Übertragung des Reichskanzleramts. Max hätte, nachdem er für eine Lücke an der Spitze des Reichs gesorgt hatte, diese Lücke auch schließen müssen. Er hätte sich nicht plötzlich auf eine fehlende Autorisation berufen sollen, sondern sich dazu bekennen müssen, dass er eine Regentschaft oder Reichsverweserschaft inzwischen für undurchführbar hielt.[87]

Wilhelm am belgisch-niederländischen Grenzübergang Eysden, 10. November 1918

Am 10. November 1918 gegen sieben Uhr morgens überschritt Wilhelm die Grenze zu den Niederlanden, wo er sein Exil fand und schließlich 1941 starb. Die längste Zeit lebte er auf Haus Doorn, das heute ein Museum ist. Anhänger wie Gegner der Monarchie verurteilten Wilhelms Abreise als Fahnenflucht.[88] Dem Historiker Stephan Malinowski zufolge habe „die Flucht selbst im Kreis seiner engsten Vertrauten als schwerer Fehler [gegolten], wenn nicht sogar als feiger Verrat an den Idealen des Adels“. Bestrebungen einer monarchistischen Wiedereinsetzung Wilhelms II. oder des gleichnamigen Kronprinzen hätten folglich keine große Rolle mehr gespielt. Laut Malinowski sehnte sich der ostelbische Adel Preußens nach Mussolinis Herrschaftsübernahme jedoch nicht selten nach einem neuen diktatorischen Protektor, einen „Führer“.[89]

Wilhelm unterschrieb am 28. November 1918 die Erklärung seiner Abdankung, wobei er die Beamten und Soldaten vom Treueeid entband. Der Kronprinz folgte am 1. Dezember mit einer eigenen Erklärung. Damit war die Monarchie auch formell beendet.[90]

Literatur und Film

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Einzelnachweise

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  1. Bernd Schneidmüller: Die Kaiser des Mittelalters. Von Karl dem Großen bis Maximilian I. (= Beck’sche Reihe. C. H. Beck Wissen 2398). 3., verbesserte Auflage. Beck, München 2012, ISBN 978-3-406-53598-7, S. 8.
  2. Herfried Münkler: Die Deutschen und ihre Mythen. Rowohlt Berlin, Berlin 2009, S. 58.
  3. Herfried Münkler: Die Deutschen und ihre Mythen. Rowohlt Berlin, Berlin 2009, S. 57.
  4. Bernd Schneidmüller: Die Kaiser des Mittelalters. Von Karl dem Großen bis Maximilian I. (= Beck’sche Reihe. C. H. Beck Wissen 2398). 3., verbesserte Auflage. Beck, München 2012, ISBN 978-3-406-53598-7, S. 117, 119.
  5. Hermann Hiery: Deutschland als Kaiserreich. Der Staat Bismarcks - Ein Überblick Marix Verlag, Wiesbaden 2021, ISBN 978-3-7374-1167-7, S. 86.
  6. Tillmann Bendikowski: 1870/71. Der Mythos von der deutschen Einheit. C. Bertelsmann, München 2020, S. 344.
  7. Herfried Münkler: Die Deutschen und ihre Mythen. Rowohlt Berlin, Berlin 2009, S. 204.
  8. Herfried Münkler: Die Deutschen und ihre Mythen. Rowohlt Berlin, Berlin 2009, S. 57.
  9. Herfried Münkler: Die Deutschen und ihre Mythen. Rowohlt Berlin, Berlin 2009, S. 58.
  10. Herfried Münkler: Die Deutschen und ihre Mythen. Rowohlt Berlin, Berlin 2009, S. 61–65.
  11. Knut Görich: Friedrich Barbarossa. Eine Biographie. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-59823-4, S. 13.
  12. Rudolf Speth: Nation und Revolution. Politische Mythen im 19. Jahrhundert. Springer, Wiesbaden 2000, S. 226.
  13. Rudolf Speth: Nation und Revolution. Politische Mythen im 19. Jahrhundert. Springer, Wiesbaden 2000, S. 227.
  14. a b Volker Sellin: Politik und Gesellschaft. Abhandlungen zur europäischen Geschichte. Oldenbourg, München 2015, ISBN 978-3-11-036335-7, S. 425.
  15. Dieter Hein: Die Revolution von 1848/49. 5., durchgesehene Auflage. Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-45119-5, S. 122.
  16. Eckart Conze: Schatten des Kaiserreichs. Die Reichsgründung von 1871 und ihr schwieriges Erbe. dtv, München 2020, ISBN 978-3-423-28256-7, S. 85.
  17. Wolfgang Neugebauer: Die Hohenzollern. 2 Bd: Dynastie im säkularen Wandel. Von 1740 bis in das 20. Jahrhundert. Kohlhammer, Stuttgart 2003, S. 162.
  18. Eberhard Kolb: Bismarck. Beck, München 2014, S. 92.
  19. Otto Pflanze: Bismarck. Der Reichsgründer. Beck, München 1997, S. 434. Siehe auch: Klaus-Jürgen Bremm: 70/71 Preußens Triumph über Frankreich und die Folgen. Theiss, Darmstadt 2019, S. 226.
  20. Eckart Conze: Schatten des Kaiserreichs. Die Reichsgründung von 1871 und ihr schwieriges Erbe. dtv, München 2020, ISBN 978-3-423-28256-7, S. 86.
  21. Eckart Conze: Schatten des Kaiserreichs. Die Reichsgründung von 1871 und ihr schwieriges Erbe. dtv, München 2020, ISBN 978-3-423-28256-7, S. 86.
  22. Eckart Conze: Schatten des Kaiserreichs. Die Reichsgründung von 1871 und ihr schwieriges Erbe. dtv, München 2020, ISBN 978-3-423-28256-7, S. 89.
  23. Susanne Bauer, Jan Markert: Eine „Titelaffaire“ oder „mehr Schein als Wirklichkeit“. Wilhelm I., Augusta und die Kaiserfrage 1870/71, in: Ulrich Lappenküper/Maik Ohnezeit (Hrsg.), 1870/71. Reichsgründung in Versailles. (Friedrichsruher Ausstellungen Bd. 8) Friedrichsruh 2021, S. 70–76, hier: S. 70–71.
  24. Robert-Tarek Fischer: Wilhelm I. Vom preußischen König zum ersten Deutschen Kaiser. Böhlau, Köln 2020, ISBN 978-3-412-51926-1, S. 263–264.
  25. Frank Lorenz Müller: Der 99-Tage-Kaiser. Friedrich III. von Preußen – Prinz, Monarch, Mythos. Siedler, München 2013, S. 125.
  26. Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reichs bis zum Untergang der Weimarer Republik. Beck, München 2000, S. 815–816.
  27. Ernst Rudolf Huber: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789. Band 3: Bismarck und das Reich. 3. Auflage, W. Kohlhammer, Stuttgart 1988, S. 750/751.
  28. Eberhard Straub: Eine kleine Geschichte Preußens. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2011, S. 165.
  29. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600–1947. Pantheon, München 2008, S. 670.
  30. a b Jens Jäger: Das vernetzte Kaiserreich. Die Anfänge von Modernisierung und Globalisierung in Deutschland. Reclam, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-15-011304-2, S. 27.
  31. Oliver F. R. Haardt: The Kaiser in the Federal State. 1871–1918. German History Vol. 34, No. 4, S. 529–554, hier S. 535.
  32. Oliver Haardt: Bismarcks ewiger Bund. Eine neue Geschichte des Deutschen Kaiserreichs. Theiss, Darmstadt 2020, S. 302.
  33. Ernst Rudolf Huber: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789. Band 3: Bismarck und das Reich. 3. Auflage, W. Kohlhammer, Stuttgart 1988, S. 815.
  34. Ernst Rudolf Huber: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789. Band 3: Bismarck und das Reich. 3. Auflage, W. Kohlhammer, Stuttgart 1988, S. 1003.
  35. Wilhelm Deist: Kaiser Wilhelm II. als Oberster Kriegsherr. In: ders.: Militär, Staat und Gesellschaft. Verlag Oldenbourg, München 1991, ISBN 3-486-55920-6 (broschiert), ISBN 3-486-55919-2 (Gewebe), S. 2.
  36. Ernst Rudolf Huber: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789. Band 3: Bismarck und das Reich. 3. Auflage, W. Kohlhammer, Stuttgart 1988, S. 809 f., 1012 f.
  37. Mario Kramp: Pracht - Plunder - Propaganda. Zum Mythos von Krone und Reich In: Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa Darmstadt 2020, S. 490–495, hier S. 493.
  38. Susanne Bauer, Jan Markert: Eine „Titelaffaire“ oder „mehr Schein als Wirklichkeit“. Wilhelm I., Augusta und die Kaiserfrage 1870/71, in: Ulrich Lappenküper/Maik Ohnezeit (Hrsg.), 1870/71. Reichsgründung in Versailles. (Friedrichsruher Ausstellungen Bd. 8) Friedrichsruh 2021, S. 70–76, hier S. 73.
  39. Christoph Nonn: 12 Tage und ein halbes Jahrhundert. Eine Geschichte des deutschen Kaiserreichs, 1871–1918. Beck, München 2020, ISBN 978-3-406-75569-9, S. 27.
  40. Christoph Nonn: 12 Tage und ein halbes Jahrhundert. Eine Geschichte des deutschen Kaiserreichs, 1871–1918. Beck, München 2020, ISBN 978-3-406-75569-9, S. 28.
  41. Jan Markert: Vom König zum Kaiser. Die Reichsgründung – ein monarchiehistorischer Prozess, in: Rüdiger Voigt (Hrsg.), Weltmacht auf Abruf. Nation, Staat und Verfassung des Deutschen Kaiserreichs (1867–1918) Baden-Baden 2023, S. 921–930, hier S. 927.
  42. Robert-Tarek Fischer: Wilhelm I. Vom preußischen König zum ersten Deutschen Kaiser. Böhlau, Köln 2020, ISBN 978-3-412-51926-1, S. 265.
  43. Christoph Nonn: 12 Tage und ein halbes Jahrhundert. Eine Geschichte des deutschen Kaiserreichs, 1871–1918. Beck, München 2020, ISBN 978-3-406-75569-9, S. 27.
  44. Rudolf Weber-Fas: Epochen deutscher Staatlichkeit. Vom Reich der Franken bis zur Bundesrepublik. W. Kohlhammer, Stuttgart 2006, S. 134.
  45. Wolfgang Neugebauer: Die Hohenzollern. 2 Bd: Dynastie im säkularen Wandel. Von 1740 bis in das 20. Jahrhundert. Kohlhammer, Stuttgart 2003, S. 162.
  46. Mario Kramp: Pracht - Plunder - Propaganda. Zum Mythos von Krone und Reich In: Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa, Darmstadt 2020, S. 490–495, hier S. 493.
  47. Wolfgang Neugebauer: Funktion und Deutung des »Kaiserpalais«. Zur Residenzstruktur Preussens in der Zeit Wilhelms I. In: Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte 18,1 (2008 ), S. 67–95, hier S. 88.
  48. Martin Kohlrausch: Zwischen Tradition und Innovation. Das Hofzeremoniell der wilhelminischen Monarchie. In: Andreas Briefang, Michael Epkenhans; Klaus Tenfelde (Hrsg.): Das politische Zeremoniell im Deutschen Kaiserreich 1871–1918. Düsseldorf 2008, S. 31–51, hier S. 34.
  49. Martin Kohlrausch: Zwischen Tradition und Innovation. Das Hofzeremoniell der wilhelminischen Monarchie. In: Andreas Briefang, Michael Epkenhans; Klaus Tenfelde (Hrsg.): Das politische Zeremoniell im Deutschen Kaiserreich 1871–1918. Düsseldorf 2008, S. 31–51, hier S. 40–43.
  50. Martin Kohlrausch: Zwischen Tradition und Innovation. Das Hofzeremoniell der wilhelminischen Monarchie. In: Andreas Briefang, Michael Epkenhans; Klaus Tenfelde (Hrsg.): Das politische Zeremoniell im Deutschen Kaiserreich 1871–1918. Düsseldorf 2008, S. 31–51, hier S. 35.
  51. Helmut Engel: Das Haus des Deutschen Kaisers – Das „Alte Palais“ Unter den Linden. Verlagshaus Braun, Berlin 2004, S. 9.
  52. Martin Kohlrausch: Zwischen Tradition und Innovation. Das Hofzeremoniell der wilhelminischen Monarchie. In: Andreas Briefang, Michael Epkenhans; Klaus Tenfelde (Hrsg.): Das politische Zeremoniell im Deutschen Kaiserreich 1871-1918. Düsseldorf 2008, S. 31–51, hier S. 34–35.
  53. Anton von Werner, Die Eröffnung des Reichstages im Weißen Saal des Berliner Schlosses durch Wilhelm II. am 25. Juni 1888 (1893). Kurzbeschreibung bei GHDI.
  54. Christopher Clark: Wilhelm II. Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers. Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2008, S. 55.
  55. Frank Bösch: Das Zeremoniell der Kaisergeburtstage. In: Andreas Biefang Michael Epkenhans, Klaus Tenfelde (Hrsg.): Das politische Zeremoniell im Deutschen Kaiserreich 1871–1918. Droste, Düsseldorf 2008, ISBN 978-3-7700-5291-2, S. 53–76, hier S. 53 f.
  56. Christopher Clark: Wilhelm II. Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers. Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2008, S. 54–55.
  57. Oliver Haardt: Bismarcks ewiger Bund. Eine neue Geschichte des Deutschen Kaiserreichs. Theiss, Darmstadt 2020, S. 298.
  58. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600–1947. Pantheon, München 2008, ISBN 978-3-421-05392-3, S. 671–672.
  59. Frederik Frank Sterkenburgh: William I and monarchical rule in Imperial Germany, University of Warwick 2017, Dissertation, S. 122–123.
  60. Frederik Frank Sterkenburgh: William I and monarchical rule in Imperial Germany, University of Warwick 2017, Dissertation, S. 191 f.
  61. Jan Markert: Vom König zum Kaiser. Die Reichsgründung – ein monarchiehistorischer Prozess, in: Rüdiger Voigt (Hrsg.): Weltmacht auf Abruf. Nation, Staat und Verfassung des Deutschen Kaiserreichs (1867–1918) Baden-Baden 2023, S. 921–930, hier S. 928.
  62. Oliver Haardt: Bismarcks ewiger Bund. Eine neue Geschichte des Deutschen Kaiserreichs. Darmstadt 2020, S. 281–282.
  63. Oliver Haardt: Bismarcks ewiger Bund. Eine neue Geschichte des Deutschen Kaiserreichs. Darmstadt 2020, S. 284–285.
  64. Nils Freytag: Das Wilhelminische Kaiserreich 1890–1914. Schöningh, Paderborn 2018, ISBN 978-3-8252-2892-7, S. 155.
  65. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte. Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648–1947, Göttingen 2019, S. 232.
  66. Oliver Haardt: Bismarcks ewiger Bund. Eine neue Geschichte des Deutschen Kaiserreichs. Darmstadt 2020, S. 285.
  67. Christopher Clark: Wilhelm II. Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers. Aus dem Engl. von Norbert Juraschitz und Thomas Pfeiffer. DVA, München 2008, S. 336.
  68. Hans-Ulrich Wehler: Das Deutsche Kaiserreich 1871–1918 (= Deutsche Geschichte. Bd. 9 = Kleine Vandenhoeck-Reihe. 1380). 7. Auflage, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1994, S. 69.
  69. Monika Wienfort: Monarchie im 19. Jahrhundert, de Gruyter Oldenbourg, Berlin 2019, S. 44.
  70. Monika Wienfort: Monarchie im 19. Jahrhundert, de Gruyter Oldenbourg, Berlin 2019, S. 58.
  71. John C. G. Röhl: Kaiser, Hof und Staat – Wilhelm II. und die deutsche Politik. 2. Auflage, Beck, München 2007, S. 12.
  72. Anselm Doering-Manteuffel: Die deutsche Frage und das europäische Staatensystem 1815–1871 (= Enzyklopädie deutscher Geschichte. Bd. 15). 2. Auflage. Oldenbourg, München 2001, S. 55.
  73. Siegfried Weichlein: Nationalbewegungen und Nationalismus in Europa, 2. Auflage, Darmstadt 2012, S. 135.
  74. Rudolf Speth: Nation und Revolution. Politische Mythen im 19. Jahrhundert. Opladen 2000, S. 228.
  75. Frank Lorenz Müller: Der 99-Tage-Kaiser. Friedrich III. von Preußen – Prinz, Monarch, Mythos. Siedler, München 2013, S. 129.
  76. Matthias Eberle: Im Spiegel der Geschichte. Realistische Historienmalerei in Westeuropa 1830–1900. Hirmer, München 2017, ISBN 978-3-7774-2798-0, S. 365–366.
  77. Reinhard Alings: Monument und Nation. Das Bild vom Nationalstaat im Medium Denkmal – Verhältnis von Nation und Staat im deutschen Kaiserreich 1871–1918, Berlin/New York 1996 (Beiträge zur Kommunikationsgeschichte, Bd. 4), Berlin, New York 1996, S. 442.
  78. Reinhard Alings: Monument und Nation. Das Bild vom Nationalstaat im Medium Denkmal – Verhältnis von Nation und Staat im deutschen Kaiserreich 1871–1918, Berlin/New York 1996 (Beiträge zur Kommunikationsgeschichte, Bd. 4), Berlin, New York 1996, S. 603 und 228.
  79. Wolfgang J. Mommsen: War der Kaiser an allem schuld ? Wilhelm II. und die preußisch-deutschen Machteliten . Berlin 2005, S. 262.
  80. Elisabeth Fehrenbach: Wandlungen des deutschen Kaisergedankens 1871-1918, München/Wien 1969, S. 50.
  81. Monika Wienfort: Monarchie im 19. Jahrhundert. de Gruyter Oldenbourg, Berlin 2019, S. 70, 130.
  82. Monika Wienfort: Monarchie im 19. Jahrhundert. de Gruyter Oldenbourg, Berlin 2019, S. 15, 33.
  83. Lothar Machtan: Kaisersturz. Vom Scheitern im Herzen der Macht. wbg Theiss, Darmstadt 2018, S. 102–103.
  84. Michael Kotulla: Deutsches Verfassungsrecht 1806–1918. Eine Dokumentensammlung nebst Einführungen, 1. Band – Gesamtdeutschland, Anhaltische Staaten, Baden, Berlin, Heidelberg 2006, S. 311.
  85. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600–1947. 10. Auflage, Pantheon, München 2007, S. 696–698.
  86. Ernst Rudolf Huber: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789. Band 5: Weltkrieg, Revolution und Reichserneuerung: 1914–1919. W. Kohlhammer, Stuttgart 1978, S. 688/689.
  87. Ernst Rudolf Huber: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789. Band 5: Weltkrieg, Revolution und Reichserneuerung: 1914–1919. W. Kohlhammer, Stuttgart 1978, S. 689.
  88. Ernst Rudolf Huber: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789. Band 5: Weltkrieg, Revolution und Reichserneuerung: 1914–1919. W. Kohlhammer, Stuttgart 1978, S. 702.
  89. Stephan Malinowski: Vom König zum Führer. Sozialer Niedergang und politische Radikalisierung im deutschen Adel zwischen Kaiserreich und NS-Staat, München 2009, S. 598.
  90. Ernst Rudolf Huber: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789. Band 5: Weltkrieg, Revolution und Reichserneuerung: 1914–1919. W. Kohlhammer, Stuttgart 1978, S. 706.