Pfette

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Ein Pfettendach mit Firstpfette, zwei Mittel- und zwei Fußpfetten

Pfetten sind in einer Dachkonstruktion parallel zum First verlaufende Hölzer, die beim Pfettendach auf Querwänden aufruhen und die Dachhaut tragen. Sie ruhen beim Pfettensparrendach als Firstpfette, Fußpfette und Mittelpfette auf Stuhlsäulen, Zangen oder Binderbalken auf und unterstützen die Sparren[1], die in einigen Gebieten auch Rofen genannt werden. Die Sparren müssen direkt auf den Pfetten aufsitzen (aufgeklaut sein), um die Traglast zu übertragen.

1: Pfette; 2: aufgeklauter Sparren

Im Fachwerkbau wird auch das Rähm als Pfette bezeichnet.

Wortherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Im Gegensatz zu den meisten Ausdrücken des Holzbaues, die germanischen Ursprungs sind, leitet sich der Begriff der „Pfette“ aus dem Lateinischen ab. „patena“ bedeutet im Spätlateinischen „Firstbaum“. Bei den Dachstühlen bezeichnet man seit der mittelalterlichen sprachlichen Umformung alle parallel zum Dachfirst verlaufenden Hölzer, auf denen die Sparren aufliegen, als „Pfetten“; Fuß-, Mittel- und Firstpfetten.“

Heinrich Schmitt, Andreas Heene[2]

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Firstpfette und Mittelpfette bilden den oberen Abschluss des Dachstuhls im engeren Sinne, während die Fußpfette auf der Außenwand aufliegt.

Firstpfette[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Firstpfette befindet sich nahe unter dem Dachfirst und trägt ihre Lasten über Stützen, Wände oder Dachbinder eines liegenden oder stehenden Dachstuhls ab.

Mittelpfette[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelpfetten, auch Zwischenpfetten,[3][4] werden bei Pfettendächern als Vollholz-Konstruktion traditionell eingesetzt, wenn die Spannweite der Sparren mehr als 4,5 bis 5,5 Meter beträgt.

Achtung: Die längs verlaufenden Rähme (Unterzüge) der Kehlbalkendächer sind keine Pfetten, denn die Sparren sind nicht aufgeklinkt.

Fußpfette[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fußpfette oder Wandpfette[4] liegt in der Regel im Traufbereich eines Dachs auf einer Geschossdecke oder einem Drempel. Wenn sie vollflächig auf der Außenwand aufliegt, wird sie auch als Fußschwelle oder Mauerlatte bezeichnet und kann schwächer dimensioniert werden als die anderen Pfetten.

Statisches System im Holzbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Vollholz-Konstruktionen kommen wegen der üblichen Schnittholzlängen (6 m bis 7 m, maximal 9 m) häufig Zweifeldträger zur Ausführung.[5] Bei größerer Dachlänge werden Zweifeldträger aneinandergekoppelt oder Gelenkträger (Gerberträger) ausgeführt.[5]

Mit üblichen Schnittholz-Abmessungen werden traditionell Stützweiten von 4,5 m bis 5,5 m vorgesehen. Bei längerer Stützweite (oder hoher Schneelast) können auch Brettschichtholz-, Wellsteg- oder Fachwerkträger sowie Stahlprofile oder durch Stahlprofile verstärkte Holzquerschnitte als Einfeld- oder Durchlaufträger wirtschaftlich eingesetzt werden.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 10. Mai 2024), S. 363: Pfette.
  • Thomas Eißing, Benno Furrer, Christian Kayser, Stefan King, Ulrich Klein, Ulrich Knapp, Burghard Lohrum, Tilmann Marstaller, Claudia Mohn, Heinz Pantli, Hans-Hermann Reck, Daniel Reicke: Vorindustrieller Holzbau Terminologie und Systematik für Südwestdeutschland und die deutschsprachige Schweiz (= Südwestdeutsche Beiträge zur historischen Bauforschung, Sonderband). 2., überarbeitete Auflage. Universität Heidelberg / Universitätsbibliothek, Heidelberg 2023, ISBN 978-3-96929-223-5 (Digitalisat auf journals.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 10. Mai 2024), S. 79, 109.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Pfette – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 10. Mai 2024), S. 363: Pfette.
  2. Heinrich Schmitt, Andreas Heene: Hochbaukonstruktion. 12. Auflage. Vieweg, Braunschweig/Wiesbaden 1993, ISBN 3-528-78854-2, S. 474.
  3. Zwischenpfette nach Günther Wasmuth (Hrsg.): Wasmuths Lexikon der Baukunst. Berlin, 1929–1932 (4 Bände), Lemma Dachpfette
  4. a b Isabell Hermann: Die Bauernhäuser beider Appenzell. Appenzeller Verlag, Herisau 2004, ISBN 978-3-85882-387-8, S. 104.
  5. a b c Hagen Prehl: Hölzerne Dachkonstruktionen. 2. Auflage. Werner Verlag, Düsseldorf 2001, S. 35–37.