Veröffentlichungen des Staatlich-Sächsischen Forschungsinstitutes für Völkerkunde in Leipzig

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Die Veröffentlichungen des Staatlich-Sächsischen Forschungsinstitutes für Völkerkunde in Leipzig sind eine vom Forschungsinstitut für Völkerkunde in Leipzig herausgegebene Buchreihe, die von 1916 bis 1940 in Leipzig erschien, zunächst im Verlag von Otto Spamer und später ebendort im Verlag R. Voigtländer[1].

Das Leipziger Institut für Ethnologie (Kgl. Sächs. Forschungsinstitut für Völkerkunde) war am 1. November 1914, d. h. nach Kriegsbeginn, gegründet worden. In Leipzig hatte Wilhelm Wundt, der damalige Rektor der Universität Leipzig, 1913 an seinem „Institut für (experimentelle) Psychologie“ bereits eine „Völkerpsychologische Abteilung“ gegründet.

Den ersten Band der Reihe bildete das Buch über die afrikanische Ethnie der Barundi („eine völkerkundliche Studie aus Deutsch-Ostafrika“)[2] von Hans Meyer. Der zeitlich letzte Band von Willy Schilde (Orakel und Gottesurteile in Afrika: ein Beitrag zur Völkerkunde und Kulturgeschichte) erschien 1940.

Die Reihe ist untergliedert in drei Unterreihen: Erste Reihe: Ethnographie und Ethnologie, Zweite Reihe: Volkskunde und die erst später hinzugekommene Dritte Reihe: Rassenkunde, wobei von den beiden letzten jeweils nur ein Band erschienen ist.

Wie auch andere deutsche ethnologische Unternehmungen der Zeit[3] ist die Reihe stark den ethnologischen und anthropologischen Theorien ihrer Zeit verhaftet, was sich zu einer Rassentheorie entwickelte. Dies kommt auch in den Benennungen für das Leipziger Institut zum Ausdruck, die sich von „Ethnographisches Seminar“ (gegründet von dem Göttinger Karl Weule[4]), über „Ethnologisch-Anthropologisches Institut“ (unter Otto Reche) bis „Institut für Rassen- und Völkerkunde“ (nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten) erstreckt.[5]

Der erste Band erschien 1916 inmitten des Ersten Weltkriegs, sie wurde dann ab 1921 fortgesetzt.

Die Reihe darf nicht mit der neuerdings (seit 2000) in Leipzig erschienenen Reihe Veröffentlichungen des Instituts für Ethnologie der Universität Leipzig verwechselt werden.

Die folgende Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Aktualität oder Vollständigkeit:

Übersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Reihe: Ethnographie und Ethnologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1. Die Barundi: eine völkerkundliche Studie aus Deutsch-Ostafrika. Hans Meyer. Verlag von Otto Spamer, Leipzig 1916 (Digitalisat)
  • 2. Mana: der Begriff des "außerordentlich Wirkungsvollen" bei Südseevölkern. Friedrich Rudolf Lehmann. Verlag von Otto Spamer, Leipzig 1922 (Digitalisat)
  • 3. Biene und Honig im Volksleben der Afrikaner: mit besonderer Berücksichtigung der Bienenzucht, ihrer Entstehung und Verbreitung: ein Beitrag zur Völkerkunde und Kulturgeschichte, besonders Afrikas. Mit 15 Textabbildungen und 4 Verbreitungskarten. Carl Seyffert. Leipzig: Voigtländer, 1930
  • 4. Die Kultur der kalifornischen Indianer in ihrer Bedeutung für die Ethnologie und die nordamerikanische Völkerkunde. Fritz Krause. Leipzig: Spamer, 1921
  • 5. Die gymnastischen Spiele der Indonesier und Südseevölker. I: Die Zweikampfspiele. Hans Damm. 1922
  • 6. Das Individuum bei den Australiern: ein Beitrag zum Problem der Differenzierung primitiver Gesellschaftsgruppen im Zusammenhang mit dem psychologischen Problem der Persönlichkeit und ihrer Entwicklung. Walter Beck. Leipzig: Voigtländer, 1924
  • 7. Züge aus der Religion der Herero: ein Beitrag zur Hamitenfrage. Erich Brauer. Leipzig: Voigtländer, 1925
  • 8. Kleidung und Umwelt in Afrika: eine anthropogeographische Studie; zugleich ein Beitrag zur Frage nach den Grundprinzipien der Tracht. Alexander Jünger. Leipzig: Voigtländer, 1926
  • 9. Neue Märchen aus Afrika: gesammelt und aus der Haussasprache übersetzt. Adam Mischlich. Leipzig: Voigtländer, 1929
  • 10. Die polynesischen Tabusitten: eine ethno-soziologische und religionswissenschaftliche Untersuchung. Friedrich Rudolf Lehmann. Leipzig: Voigtländer, 1930
  • 11. Die Völkerstämme im Norden von Liberia: Ergebnisse einer Forschungsreise im Auftrage des Staatlich-Sächsischen Forschungsinstitutes für Völkerkunde in Leipzig in den Jahren 1928/29. Paul Germann. Leipzig: Voigtländer, 1933
  • 12. Orakel und Gottesurteile in Afrika: ein Beitrag zur Völkerkunde und Kulturgeschichte. Willy Schilde. Leipzig: R. Voigtländer, 1940

Zweite Reihe: Volkskunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1. Werner Essen: Die ländlichen Siedlungen in Litauen mit besonderer Berücksichtigung ihrer Bevölkerungsverhältnisse. Textband und Kartenband. R. Voigtländers Verlag, Leipzig 1931

Dritte Reihe: Rassenkunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1. Otto Reche / Johannes Nestler: Das frühneolithische Skelett von Groß-Tinz in Schlesien. (Hans Virchow zum 80. Geburtstag). R. Voigtländers Verlag, Leipzig, 1933

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard Streck: Die Visionen der Vergangenheit. Das Leipziger Institut für Ethnologie im Spiegel seiner Veröffentlichungen. Zeitschrift für Ethnologie, Bd. 139, H. 1, Special Issue: Current Debates in Anthropology (2014), S. 131–152 (22 S.) (Online-Teilansicht)
  • Katja Geisenhainer, Lothar Bohrmann, Bernhard Streck (Hrsg.): 100 Jahre Institut für Ethnologie der Universität Leipzig: Eine Anthologie seiner Vertreter. Veröffentlichungen des Instituts für Ethnologie der Universität Leipzig – Reihe Fachgeschichte, Band 4. 2014, ISBN 978-3-86583-890-2 (Inhaltsverzeichnis)
  • Katja Geisenhainer: ANTHROPOLOGIE UND ETHNOLOGIE IN LEIPZIG ENDE DER 1920ER JAHRE: Die erste Tagung der Gesellschaft für Völkerkunde und die Expeditionen des Staatlich-Sächsischen Forschungsinstituts für Völkerkunde. Paideuma: Mitteilungen zur Kulturkunde, Bd. 57 (2011), S. 53–80 (Online-Teilansicht)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zum Verlagsgründer Robert Voigtländer, vgl. den Artikel Voigtländer, Robert.
  2. Es liefert eine umfassende Darstellung des Stammes der Barundi in (ehemals) Deutsch-Ostafrika: Von Land und Bevölkerung, Körperbeschaffenheit, Schmuck, Waffen, Genußmittel, Spiele, Tänze, Ehe, Geburt, Tod, Clans, Totemismus, Religion, Mythus, Medizin u.v.a.m.
  3. Vgl. beispielsweise die Kölner Kulturgeschichtliche Bibliothek.
  4. Der Verfasser von Der Krieg in den Tiefen der Menschheit (Franckh’sche Verlagsbuchhandlung, 1916) und anderer populärer Werke über Geografie und Völkerkunde.
  5. vgl. Claudia Liebelt: 100 Jahre Institut für Ethnologie in Leipzig, 6.–7. November 2014, Leipzig, in: Sociologus, Vol. 64, No. 2 – Online-Teilansicht