Neuölsburg

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Neuölsburg
Gemeinde Ilsede
Wappen von Neuölsburg
Koordinaten: 52° 16′ N, 10° 12′ OKoordinaten: 52° 15′ 58″ N, 10° 12′ 25″ O
Höhe: ca. 87 m ü. NHN
Fläche: 96 ha
Einwohner: 2128 (1950)[1]
Bevölkerungsdichte: 2.217 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1964
Eingemeindet nach: Ölsburg
Neuölsburg (Niedersachsen)
Neuölsburg (Niedersachsen)

Lage von Neuölsburg in Niedersachsen

Neuölsburg (auch Neu Ölsburg) war eine Gemeinde im heutigen Landkreis Peine in Niedersachsen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1869 erwarb die 1858 gegründete Aktiengesellschaft Ilseder Hütte, ein Hochofenbetrieb in der heutigen Gemeinde Ilsede, ein erstes Gelände von 220 Morgen (etwa 55 Hektar) nördlich des Dorfes Ölsburg zum Bau einer Werkssiedlung.[2]

Dort erbaute das Unternehmen ab 1875 Siedlungshäuser, meist Doppelhäuser für Arbeiterfamilien, aber auch Mehrfamilienhäuser sowie Villen für leitende Angestellte seiner Betriebe. Ende der 1930er Jahre umfasste der Ort 168 Häuser für 435 Haushalte[2] und 1284 Einwohner[3].

Die Werkssiedlung erhielt den Namen Neuölsburg und den Status einer selbstständigen Gemeinde.

Dazu trug die Ilseder Hütte, als Grundbesitzer, die gesamten Gemeindelasten der neuen Ortschaft. Sie errichtete und betrieb die öffentliche Infrastruktur mit Stromversorgung, Müllabfuhr, Schule, Badehaus und Einkaufsläden. Das Unternehmen finanzierte den Polizeidienst und ernannte Bürgermeister sowie Gemeindedirektor.[2] Erst in der Nachkriegszeit nach dem Zweiten Weltkrieg konnten erstmals ein Gemeinderat und ein Bürgermeister demokratisch gewählt werden.

Neuölsburg war, wie sein Nachbarort Ölsburg, zunächst eine Exklave des damaligen Herzogtums Braunschweig und des späteren Freistaates Braunschweig. Im Jahr 1941 wechselte Neuölsburg im Zuge einer Neuordnung der Grenzen der Freistaaten Braunschweig und Preußen, im Rahmen des sogenannten Salzgitter-Gesetzes, aus dem Landkreis Braunschweig in den Landkreis Peine.[4]

Die Werkssiedlung behielt ihre kommunale Selbstverwaltung bis 1964. Die Gemeinde Neuölsburg wurde aufgelöst und mit dem Nachbarort Ölsburg zur Gemeinde Ölsburg vereinigt.[5] Deren Auflösung erfolgte am 1. Februar 1971 im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen, als sie mit fünf weiteren Orten zur neugegründeten Einheitsgemeinde Ilsede zusammengeschlossen wurde.[6] Heute wird der Ortsname Neuölsburg nicht mehr als offizieller Ortsteil der Gemeinde Ilsede geführt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Quelle Zeitleiste
1877 470 [7]
1885 546 [8]
1905 1117 [8]
1910 1399 [9]
1925 1548 [3]
1933 1372 [3]
1939 1284 [3]
1946 2148 [10]
1950 2128 [1]

Ortsbild und Ortsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den vergangenen Jahrzehnten wuchs die ehemalige Gemeinde Neuölsburg mit den Ilseder Ortsteilen Ölsburg, Groß Bülten und Groß Ilsede baulich zusammen, ohne erkennbare Ortsgrenzen. Das Ortsbild wird noch heute von Ein- und Zweifamilienhäusern bestimmt.

In den ursprünglich großzügig geschnittenen Gärten der Siedlungshäuser entstanden seit den 1960er Jahren individuelle Einfamilienhäuser. Der Straßenverlauf weist noch heute auf seine planmäßige Entstehung hin – im Gegensatz zu den historisch gewachsenen Dorfkernen der Nachbarorte.

Seit der Einstellung des Betriebes der Ilseder Hütte im Jahre 1983 gehen viele Bewohner des Ortes ihrer Erwerbstätigkeit in den nahe gelegenen Industrien des Raums Salzgitter/Peine oder im Oberzentrum Braunschweig nach.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Gold mit blauem Schildhaupt, darin ein schreitender rotbewehrter und -gezungter goldener Löwe; fünf rote Häuser in zwei Reihen (3:2) in der Mitte überdeckt von einem silbernen Dreieckschild, darin ein schwarzes Bergmannsgezähe.“[11]
Wappenbegründung: Neuölsburg entstand 1870 durch die Schaffung von Wohnraum für die Familien von Hüttenarbeitern der Ilseder Hütte und wurde 1875 zur eigenen Gemeinde erhoben. Daher stehen die Häuschen im Wappen für die Entstehung des neuen Ortes und das Bergmannsgezähe für den Grund dieser Neugründung. Der Löwe im Schildhaupt repräsentiert, wie in Ölsburg die frühere herzoglich-braunschweigische Landesherrschaft.

Das Wappen wurde von Alfred Brecht gestaltet und am 18. Juli 1960 durch den hildesheimischen Regierungspräsidenten genehmigt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Bergmann (* 20. April 1869 in Sankt Andreasberg; † 13. April 1949 in Neuölsburg), Bergingenieur und Unternehmer in der Montanindustrie
  • Friedrich Cordes (* 6. Januar 1881 in Neuölsburg; † 7. Dezember 1949 in Oldenburg (Oldb.)), Diplomingenieur und Hochschuldirektor

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günter Möller: Chronik Ölsburg: 1003–2003. Arbeitskreis 1000 Jahre Ölsburg (Hrsg.), Ölsburg 2003, OCLC 57541012.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Endgültige Ergebnisse nach der Volkszählung vom 13. September 1950 (= Statistik der Bundesrepublik Deutschland. Band 33). W. Kohlhammer, Stuttgart/Köln 1952, S. 60 (Digitalisat [PDF; 27,1 MB]).
  2. a b c Alfred Striemer: Peine. Leben und Arbeit im Stadt- und Landkreis. In: Schriftenreihe der Reichsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung. Band 2, Springer, Berlin 1939, S. 26.
  3. a b c d Michael Rademacher: Die Kreisleiter der NSDAP im Gau Weser-Ems. Tectum, Marburg 2005. ISBN 3-8288-8848-8.
  4. Verordnung über Gebietsbereinigungen im Raume der Hermann-Göring-Werke Salzgitter. Vom 25. Juni 1941. Reichsgesetzblatt I, S. 357.
  5. Gesetz über den Zusammenschluß der Gemeinden Ölsburg und Neuölsburg, Landkreis Peine. 1. Juli 1964, Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt 1964, Nr. 16, S. 133–134.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 216.
  7. Karl Andree: Geographie des Welthandels, 3. Band, Julius Maier, Stuttgart 1877, S. 751
  8. a b Vereinigung der Freunde von Kunst und Kultur im Bergbau (Hrsg.): Der Anschnitt. Band 31, S. 171
  9. Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900, Herzogtum Braunschweig, Kreis Braunschweig
  10. Niedersächsisches Landesverwaltungsamt (Hrsg.): Gemeindeverzeichnis für Niedersachsen. Gemeinden und Gemeindefreie Gebiete. Eigenverlag, Hannover 1. Januar 1973, S. 129 (Digitalisat [PDF; 21,3 MB; abgerufen am 27. August 2019] Landkreis Braunschweig).
  11. Arnold Rabbow: Neues Braunschweigisches Wappenbuch. Die Wappen der Gemeinden und Ortsteile in den Stadt- und Landkreisen Braunschweig, Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine, Salzgitter, Wolfenbüttel, Wolfsburg. Hrsg.: Braunschweiger Zeitung, Salzgitter Zeitung und Wolfsburger Nachrichten. Joh. Heinr. Meyer Verlag, Braunschweig 2003, ISBN 3-926701-59-5, S. 143.